01.10.2015

Besuch in der FeG in Beirut

Im September/Oktober 2015 hatte ich die tolle Gelegenheit, 5 Wochen im Libanon zu verbringen. Da ich (Lehrerin) gerade im Sabbathjahr bin, kann ich meine Zeit viel freier planen und Aktivitäten unternehmen, für die im normalen Alltag oft keine Zeit sind. Eigentlich war ich in Beirut und der Bekaa-Ebene, um dort einer Gemeinde zu helfen, die Flüchtlingskinder beschult. Dort war es meine Aufgabe, die Lehrer fortzubilden. Am Abreisetag aus Deutschland erfuhr ich aber mehr oder weniger zufällig von Jost Stahlschmidt (ich stand gerade am Sicherheitscheck im Flughafen Frankfurt :-)), dass es in Beirut auch eine FeG gibt.

Also zapfte ich, kaum angekommen, meine Kontakte an, um herauszubekommen, wo die FeG ist, wie ihr Pastor heißt und wann ihre Gottesdienste sind. Pastor Joseph Najim ist seit ca. 20 Jahren der Hirte der FeG (ca. 100 Mitglieder) und dient ihr, zusammen mit seiner Frau Doris. Sein Herz schlägt vor allem für Evangelisation und Mission, im Inland und auch in mehreren anderen arabischen Ländern, wohin sie inzwischen 17 Missionare ausgesendet und wo sie auch 11 Gemeinden gegründet haben.

Am letzten Sonntag vor meiner Abreise besuchte ich den Gottesdienst der FeG. Pastor Josephs "Stempel" war sehr offensichtlich: Im Eingang hing ein großes Banner, das für eine große stadtweite Evangelisation warb, die einen ganzen Monat währte. Es lud andere Christen dazu ein, sich für die Mitarbeit als Redner, Seelsorger, praktisch Helfender, etc. anzumelden.

Vor mir im Gottesdienstraum saßen Kanadier, die eine Woche missionarische Einsätze bei den Diensten unter Flüchtlingen hinter sich hatten, die die Gemeinde seit ca. einem Jahr betreiben.

Nach dem Gottesdienst sprach ich Pastor Joseph an, stellte mich vor und richtete vorsorglich Grüße von der FeG-Zentrale in Deutschland aus ;-). Nach einigen Freundlichkeiten bat er mich gleich, ob ich nicht Lust hätte, zu den Frauen des OASIS-Flüchtlingsprojektes zu sprechen (er wusste grob, wer ich war, weil mein Kontakt mich "angemeldet" hatte). Na, das ging ohne Umschweife und Kompliziertheiten!!


Das tat ich dann auch am letzten Tag. Ich war begeistert von der Arbeit, die diese Gemeinde seit Januar 2015 mit großer Hingabe tut. Sie haben für jeden Samstag Räume in einer Schule in einem muslimischen Stadtteil gemietet. Diese Gegend ist sehr ärmlich und hier wohnen sehr viele Flüchtlinge. Das Team von ca. 30 Mitarbeitern bietet von 10 bis 13 Uhr unterschiedliche Aktivitäten an:
Für Kinder gibt es erst einen Gottesdienst mit Anbetung, Gebet und einer Geschichte. Danach gibt es etwas Unterricht in Mathematik und Arabisch und zum Schluss wird draußen gespielt.

Die Frauen lernen das Schreiben (es gibt etliche Analphabetinnen) und das Stricken. Ihre Produkte werden bei verschiedenen Gelegenheiten im In- und Ausland verkauft, z.B. kostet ein Paar Handschuhe $ 3. Dies gibt ihnen Würde, weil sie nicht nur beschäftigt werden, sondern dadurch, wenn auch wenig, zum Familieneinkommen beitragen können. Danach bekommen die Frauen einen geistlichen Input, über den sie sich auch austauschen können. Als ich zu Markus 4, 35 - 41, Stillung des Sturms, zu ihnen sprach, war ich berührt von ihrer wachen Aufmerksamkeit und ihrem Interesse. Zum Schluss gibt es für sie weiterbildende Vorträge zu Themen wie Gesundheit (z.B. Brustkrebs, Hygiene, ...) oder andere nützliche und interessante Sachthemen, die ihr Leben berühren.

Gott hat sich von Anfang an zu OASIS gestellt: Als die Gemeinde die Familien der Flüchtlinge bat, sich für das Samstagsprojekt anzumelden, haben sich innerhalb von nur zwei Samstagen 130!!! Familien angemeldet! Die Arbeit trägt gute Früchte und unter den Frauen gibt es einige Leiterpersönlichkeiten. Das gibt Hoffnung, die Leitung zum Beispiel von Frauen-Hauskreisen nach einiger Zeit an sie abzugeben.

Die Vision der FeG Beirut ist, dass Gemeinden im Nahen Osten entstehen, dass sie gestärkt werden und wachsen. Nach allem, was ich gesehen und gehört habe, ist die Umsetzung in vollem Gange. Ich habe mich sehr gefreut, diese Gemeinde und ihre Leute näher kennengelernt zu haben und dass ich auch etwas dazu beitragen durfte.

Karin Haddad

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