Gebetsmonat 2026: Tagesandacht zum 20. Juni
Die heutige Andacht ist von Andreas Schneider. Er ist Pastor in der FeG Mönchengladbach, Berater im Praxisinstitut Evangelisation des Bundes FeG und Beauftragter für Gebet im Bund FeG. Heute kann man ihn im Gebetsworkshop »Dem Gebet noch eine Chance geben« erleben und morgen im Sonntagsgottesdienst in der Predigt.
Psalm 88,2: »HERR, Gott, mein Heiland, ich schreie Tag und Nacht vor dir.«
»Was sind wir Menschen doch? Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen.
Ein Ball des falschen Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit.
Ein Schauplatz herber Angst, besetzt mit scharfem Leid.
Ein bald verschmeltzter Schnee und abgebrannte Kerzen.«
Mit diesen Worten beschreibt Andreas Gryphius die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens. Leid, Krankheit, Verlust und Tod gehören zu den Erfahrungen, die uns immer wieder vor Augen führen, wie vergänglich und verletzlich wir sind. Manchmal scheint das Leben tatsächlich nur noch ein »Wohnhaus grimmer Schmerzen« zu sein.
Psalm 88 nimmt diese Erfahrung auf. Er gehört zu den dunkelsten Gebeten der Bibel. Hier spricht kein Mensch, der bereits einen Ausweg gefunden hat. Hier betet einer, der sich von Leid umgeben, von Menschen verlassen und selbst von Gott bedrängt fühlt. Bemerkenswert ist, dass der Beter seine Not nicht beschönigt. Er hält keine fromme Fassade aufrecht. Im Gegenteil: Er wagt es, Gott anzuklagen. Die Hand Gottes, die sonst als schützend und bergend erfahren wird, erscheint ihm als Last und Bedrohung.
Gerade darin liegt die besondere Stärke dieses Psalms. Der Beter verschweigt nichts. Er bringt seine ganze Lebenswirklichkeit vor Gott. Alles Leid, alle Krankheit, alle Verzweiflung und alle Fragen werden ausgesprochen. Und dennoch bricht das Gebet nicht ab.
Denn der Psalm beginnt mit den Worten: »HERR, Gott, mein Heiland, ich schreie Tag und Nacht vor dir.« Noch bevor von Not und Dunkelheit die Rede ist, steht diese Anrede: »mein Heiland«. Der Beter sieht keine Rettung. Er erlebt keine Antwort. Und doch hält er an Gott fest. Er läuft nicht von ihm weg, sondern schreit zu ihm hin.
Das ist vielleicht die tiefste Botschaft dieses Psalms: Glaube zeigt sich nicht zuerst darin, dass wir Antworten haben, sondern darin, dass wir mit unseren unbeantworteten Fragen bei Gott bleiben. Gott hält auch unsere Klage aus. Er hört nicht nur unsere Dankgebete, sondern ebenso unsere Anklagen, unsere Verzweiflung und unser Schreien.
Psalm 88 lädt uns deshalb ein, ehrlich zu beten. Nicht nur mit den Worten, die wir für angemessen halten, sondern mit dem, was wirklich in uns ist. Wir dürfen Gott verantwortlich machen für das, was wir nicht verstehen. Wir dürfen ihm unser Leid entgegenhalten. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass selbst unser Schreien Tag und Nacht nicht ins Leere fällt.
Gebet
Herr, Gott, mein Heiland, manchmal sehe ich keinen Weg und keine Antwort. Du kennst meine Fragen, meine Angst und meine Not. Bewahre mich davor, vor dir zu verstummen. Gib mir die Kraft, auch im Dunkeln an dir festzuhalten und mein Herz vor dir auszuschütten. Amen.
Diese Woche im Gebetsmonat
Samstag, 20.06.:
- 10.00–14.30 Uhr: Gebetsworkshop »Dem Gebet noch eine Chance geben« mit Pastor Andreas Schneider. Anmeldung über Communi: https://fegdortmund.communiapp.de/page/detail/tab/event-853589 oder bei Simon Haug: simon.haug@feg.de
Impuls von Conny Ziegenbruch für den kommenden Gottesdienst am 21.06.2026:
Nächsten Sonntag ist »Halbzeit« im Gebetsmonat. Und um beim Fußball zu bleiben, kannst du bis Sonntag über folgende Fragen nachdenken:
- Wie ist das »Spiel« für dich bisher »gelaufen«?
- Was ist dir im Gebetsmonat wichtig geworden?
- Was wünschst du dir für die »zweite Halbzeit« des Gebetsmonats?
Denk gerne darüber nach, wie du das in einem Satz zusammenfassen kannst. Wir freuen uns im Gottesdienst, wenn sich Einzelne mit ihrem Satz dazu äußern. Sag mir vorher Bescheid – über die Communi-App oder unter cziegenbruch@aim.com – oder mach es einfach spontan und lass alle anderen daran teilhaben.
Danke!

