Gebetsmonat 2026: Tagesandacht zum 25. Juni

Psalm 6,5: »Wende dich, HERR, und errette meine Seele, hilf mir um deiner Güte willen!«

»Turn around, bright eyes« – »Dreh dich um, du mit den leuchtenden Augen.« So heißt es in einem Lied von Bonnie Tyler. In »Total Eclipse of the Heart« singt eine Person davon, dass sie sich verloren, einsam, hilflos und sehnsüchtig fühlt – und sich danach sehnt, dass sich ein Gegenüber ihr wieder zuwendet.

Als Menschen leben wir von der Zuwendung anderer. Nicht die kalte Schulter sollen sie uns zeigen, sondern ihr Gesicht. Sie sollen uns ansehen. Sie sollen uns wahrnehmen. Das Gefühl, dass sich eine geliebte Person abgewendet hat, dass sie mich nicht einmal mehr ansieht, kann ungeheuer schmerzhaft sein. Es kann einen verzweifeln und vereinsamen lassen.

»Dreh dich um, du mit den leuchtenden Augen« – das passt nicht nur in tragische Balladen. Es kommt dem Aufruf unseres heutigen Psalms erstaunlich nahe: »Wende dich, HERR!« So ruft der Psalmbeter zu Gott. Das Wort, das hier im Hebräischen steht, kann in anderen Zusammenhängen die Umkehr von Menschen beschreiben.

»Wende dich, HERR!« Dieser Ausruf ist im biblischen Text so wörtlich zu verstehen, wie es nur geht. Es heißt wirklich: Dreh dich um, mein Gott. Sieh mich an. Verbirg deinen Blick nicht vor mir. Denn das gilt in der Bibel als eine der tiefsten Nöte: die Erfahrung, dass Gott sich abwendet, sein Angesicht verbirgt, einen nicht ansieht. »Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?«, heißt es in Psalm 13,2. Ähnliche Worte finden sich immer wieder in den Psalmen.

Wie kann man so mit Gott sprechen? Aus Vertrauen. Der Beter unseres heutigen Psalms drückt sein Vertrauen in Gott gerade darin aus, dass er so zu Gott spricht. Er ruft Gott bei seinem Namen an, obwohl ihm Gottes Blick verborgen ist.

Dieser Aufruf ist kein Kommando, sondern ein sehnsüchtiges Flehen. Der Psalmbeter fordert nichts ein, als hätte er ein Recht darauf. Er bittet: »Hilf mir um deiner Güte willen!« Nicht weil der Psalmbeter so gerecht und fromm wäre, sondern weil Gott so gütig ist. Weil Gott barmherzig ist. Weil Gottes Wesen nicht Abwendung ist, sondern Zuwendung.

Darum kann der Beter Gott an seine Güte erinnern. Darum kann er bitten: Wende dich. Sieh mich an. Lass dein Angesicht wieder über mir leuchten. So heißt es nicht umsonst im Aaronitischen Segen: »Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir.« Und in Psalm 31,17 betet ein Mensch: »Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht; hilf mir durch deine Güte!«

Diesen Gott, nach dem der Psalmbeter ruft, will ich kennen. Nach diesem Gott will ich rufen, wenn mein Leben dunkel ist. Sein leuchtendes Angesicht will ich sehen. Heute rufe ich zu ihm: Wende dich mir zu, mein Herr und Gott. Sieh mich an mit deinem leuchtenden Angesicht.

 

Gebetsanliegen

Wir bitten heute für Menschen aus unseren Familien, aus unserem Freundeskreis, aus unserer Arbeit und aus unserer Gemeinde, die sich verloren, einsam oder hilflos fühlen und sehnsüchtig darauf warten, dass sich ihnen jemand zuwendet und sie sieht.

Wir bitten darum, dass Gott sich ihnen zuwendet, sein Angesicht über ihnen leuchten lässt und ihnen um seiner Güte willen hilft.

Und wir bitten auch für uns selbst: dass wir zu Menschen werden, die sich anderen zuwenden; dass wir nicht die kalte Schulter zeigen, sondern offene Augen, ein offenes Gesicht und ein offenes Herz.

 

Diese Woche im Gebetsmonat

Donnerstag, 25.06.

Freitag, 26.06.

Lucas Haug

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25. Juni 2026