Gebetsmonat 2026: Tagesandacht zum 27. Juni
Psalm 36,10: »Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht.«
Obwohl ich unser Auto seit vielen Jahren fahre, zucke ich innerlich immer noch kurz zusammen, wenn die Tankanzeige aufleuchtet. Sofort läuft ein innerer Countdown: Jetzt musst du bald tanken. Weit kommst du so nicht mehr.
Als ich diesen Vers gelesen habe, habe ich mich an ein Bild aus meiner Jugendzeit erinnert: Gott und Gebet als Tankstelle. Wenn der Tank leer ist, fährst du hin und tankst auf: die stille Zeit, der Gottesdienst, eine Freizeit. Du darfst auftanken. Und dann geht es wieder munter weiter auf der Reise des Glaubens. Ein schönes Bild. Aber wenn ich auf den Vers schaue, merke ich: Hier ist gar nicht von einer Tankstelle die Rede.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens.
Quelle, das ist etwas grundsätzlich anderes als ein Tank. Eine Tankstelle wird selbst von woanders her gefüllt. Sie braucht die Laster, die nachts die tausend Liter anliefern. Ist nichts mehr da, ist nichts mehr da. Eine Quelle dagegen wird von niemandem beliefert. Sie ist selbst der Ursprung. Sie gibt das Wasser nicht weiter, sie bringt es hervor.
Gott ist keine Tankstelle. Gott ist eine Quelle. Die Quelle des Lebens. Er gibt nicht nur Leben an uns aus. Er ist das Leben. Und darum lautet die Einladung in dem Vers auch anders. Nicht: Fahr schnell zur Quelle, schöpf etwas, und dann zieh weiter deines Weges. Sondern: Bei dir ist die Quelle. Beten ist nicht die lang ersehnte oder halt nun mal nötige Unterbrechung eines Alltags, der uns auslaugt. Beten ist die Einladung, beim Leben selbst zu sein.
Dein Gebet muss darum heute keine Funktion haben. Es muss nichts auffüllen, keine Ergebnisse liefern, nicht einmal den Stress unterbrechen. Vielleicht heißt beten heute schlicht: Ich bin bei dem Gott, der der Ursprung von allem Leben ist, der das Leben selbst ist. Bei ihm bin ich.
Und gerade in diesen heißen Tagen ist dieses Bild ja zum Greifen nah. Eine Quelle, an einem solchen Tag: erfrischend, kühl, gut. Genau so, sagt der Psalm, ist Gott für dich. Tröstlich. Heilsam. Da.
Wenn du dir heute vornimmst zu beten, dann nimm diesen Vers als Verheißung und als Einladung. Bete die erste Zeit für gar nichts. Versuch nicht, aufzutanken. Beten heißt ganz konkret, bei der Quelle des Lebens zu sein und zu schmecken: Gott, du bist die Quelle des Lebens. Und bei dir bin ich.

